Selbstliebe ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Und sie wird oft viel zu oberflächlich behandelt.
Viele denken bei Selbstliebe an Wellness, Self-Care oder positive Affirmationen.
Aber wahre Selbstliebe ist viel tiefer.
Sie ist die Art, wie du mit dir selbst umgehst, wenn niemand hinsieht. Die Art, wie du über dich denkst. Was du glaubst zu verdienen. Zu können. Zu dürfen.
Selbstliebe bedeutet nicht, perfekt zu sein.
Selbstliebe bedeutet, dir selbst ein Zuhause zu sein.
Was ist Selbstliebe eigentlich?
Selbstliebe bedeutet:
- dich selbst zu respektieren
- deinen Wert unabhängig von Leistung zu erkennen
- freundlich mit dir zu sprechen
- Grenzen zu setzen
- dich nicht für andere kleinzumachen
- auch deine Schattenseiten zu akzeptieren
- dir Ruhe, Pausen und Wachstum zu erlauben
Selbstliebe ist eine Haltung – kein einmaliger Moment. UND du kannst sie lernen.
Warum fällt uns Selbstliebe so schwer?
Selbstliebe scheitert nicht an Unfähigkeit, sondern an alten Überzeugungen. An gelerntem Verhalten. Daran, wie wir aufgewachsen sind. Was Sicherheit für uns bedeutet. Wie unsere Bezugspersonen gehandelt, entschieden, vorgelebt und gesprochen haben. Mit sich selbst. Aber auch mit uns.
1. Glaubenssätze aus Kindheit & Gesellschaft
Viele von uns haben gelernt:
- „Sei nicht so egoistisch.“
- „Reiß dich zusammen.“
- „Du musst perfekt sein.“
- „Andere sind wichtiger.“
Diese Sätze prägen ein Leben lang. Vor allem Frauen haben gelernt sich selbst zurück zu nehmen und die eigenen Bedürfnisse hinter die der Anderen zu stellen. Besonders Frauen haben gelernt, sich zusammen zu reißen, still zu sein, nicht wütend zu werden, nicht laut, nicht aufzufallen. Besonders Frauen haben gelernt, dass ihr Körper bewertet wird. Viel zu früh. Das sie sich wegen Körperlichkeit rechtfertigen und schämen müssen. Und das sie in ständiger Konkurrenz zueinander stehen. Das verhindert Selbstliebe. Ganze Generationen leiden unter dem Einfluss dieser Sozialisierung. Und leben im ständigen Kampf gegen sich selbst.
2. Perfektionismus & Selbstkritik
Wir bewerten uns oft härter als jeden anderen Menschen.
Was bei anderen „okay“ ist, ist bei uns selbst plötzlich „nicht gut genug“. Oft ist der innere Dialog harsch und voller Kritik. Abwertende Gedanken fallen gar nicht auf, wenn sie dein „normal“ sind. Das zu verändern funktioniert oft nur in Zusammenarbeit mit einer anderen Person – denn dann bekommst du auf einmal einen Spiegel. Jemand hinterfragt: So denkst du von dir? Warum denkst du so von dir? Wo kommt das her? Und: Gibt es vielleicht noch eine andere Art das zu sehen?
3. Vergleich & Social Media
Wenn du dich ständig an anderen vergleichst, wird Selbstliebe fast unmöglich.
Vergleich zerstört den Blick auf deine eigene Einzigartigkeit. Social Media Pausen, offline Zeiten und vor allem Zeit mit Freunden, Familie, Haustieren oder auch allein in der Natur bringen den nötigen Ausgleich, um das Selbstbild wider in ein natürlicheres Licht zu rücken.
4. Angst vor Verletzlichkeit
Selbstliebe bedeutet, dich selbst zu sehen – auch dort, wo es weh tut.
Viele vermeiden das. Weil sie so hart mit sich ins Gericht gehen, dass jeder kleine Fehler zu einem riesigen Monster aufgebauscht wird. Dabei ist niemand perfekt. Und deine Fehler, Eigenheiten und Macken sind oft das charmanteste an dir.
Nimm deine Lieblingsserie als Beispiel: Die Rollen sind niemals perfekt geschrieben. Jede Rolle hat mehrere liebenswerte Macken, die sie ausmachen. Magst du sie deswegen weniger? Mehr? Oder ist das der Grund warum du sie überhaupt magst?
Wie fühlt sich echte Selbstliebe an?
- Du hörst auf, dich ständig zu hinterfragen.
- Du triffst Entscheidungen, die dir guttun.
- Du sagst Nein, ohne Schuldgefühle.
- Du erlaubst dir Fehler.
- Du sprichst freundlich mit dir.
- Du akzeptierst deine Bedürfnisse.
Selbstliebe fühlt sich nicht immer warm an.
Manchmal ist sie ein ehrliches Nein, ein Mutiger Schritt, eine Grenze, die du früher nicht gesetzt hättest. Das kann unangenehm sein. Ungewohnt. Besonders, wenn du erst anfängst. Wenn du erklärst, das du Selbstliebe übst und lernst für dich einzustehen, werden deine liebsten Menschen es verstehen. Und sich daran gewöhnen. Denn es ist ungewohnt, wenn jemand, der immer „Ja“ gesagt hat, auf einmal „Nein“ sagt. Das ist aber nicht das Ende für eine Beziehung. Sie kann jetzt tiefer werden. Wachsen. Und sich festigen.
Wie kannst du Selbstliebe im Alltag stärken?
Hier sind kraftvolle und umsetzbare Schritte:
1. Sprich mit dir wie mit einem geliebten Menschen
Beobachte deine innere Stimme:
Würdest du mit einer Freundin so sprechen?
Wenn nicht – ändere den Ton. Sag dir bewusst etwas nettes. Vielleicht wird es dir Anfangs noch unangenehm sein. Vielleicht schämst du dich oder es schüttelt dich vor lauter Pein, wenn du dir sagst, das du dich liebst und das du ein toller Mensch bist – aber das wird besser. Glaub mir. 🙂
2. Lerne Pause zu machen
Selbstliebe heißt nicht „mehr tun“, sondern oft: weniger müssen. Meine Klient:innen kommen mit dem Wunsch nach mehr Ruhe zu mir. Und fragen was sie dafür tun können. Wenn ich dann sage „Weniger“, schaue ich oft in verwirrte Gesichter. Aber so ist es. Natürlich bekommst du Regulationstechiken. Natürlich sprechen wir darüber, wie du dich erden kannst. Natürlich können wir uns dem Körper und dem Fühlen zuwenden. Aber es geht nicht darum die Morgenroutine auf ein vielfaches auszuweiten, dem 5am Club beizutreten und deine Produktivität in der Selbstliebe zu steigern. Es geht darum zu lernen und zu erfahren, das du längst genug tust. Längst genug bist. Und das du nichts tun musst, um deinen Wert zu beweisen.
Ruhe ist kein Luxus – sie ist nötig.
3. Setze klare Grenzen
„Nein“ sagen fällt vielen Menschen schwer. Besonders den sog. people pleasern. Dabei ist das Setzen gesunder Grenzen eine Kernkompetenz fürs eigene Wohlbefinden. Für viele ist es unsichere Terrain „Nein“ zu sagen, weil sie gelernt haben: Ich bin nur liebenswert, akzeptiert und sicher, wenn ich leiste/ gebe.
Grenzen setzen kannst du üben. Am einfachsten ist gerade zu Beginn nicht sofort „Ja“ zu sagen. Sondern um ein wenig Zeit zu bitten, um nachzuschauen, Termine zu prüfen. Oft ist das „Nein“ sagen, so unangenehm und ungewohnt, weil wir irgendwelche unangenehmen Konsequenzen fürchten, das wir aus dem Moment heraus sofort „Ja“ sagen. Das erst einmal zu reduzieren, hilft, um auf lange Sicht Grenzen zu setzen.
Grenzen schützen nicht vor Menschen.
Grenzen schützen dich vor Überforderung.
Du wirst schnell merken, das dir niemand diese Grenzen übel nimmt. Und wenn doch, dann weil die Person von dein Grenzenlosigkeit profitiert hat. Im Coaching schauen wir uns das Thema genauer an und lernen Grenzen zu setzen, die eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und damit okay zu sein, „Nein“ zu sagen.
4. Übe Selbstakzeptanz
Du musst dich nicht immer lieben.
Aber du kannst lernen, dich nicht länger abzulehnen.
Reflektiert zu sein, ist absolut in Ordnung. Es ist okay, um deine Schwächen zu wissen und auch selbstkritisch dein Handeln zu hinterfragen. Aber es sollte nicht Oberhand gewinnen. Nein du bist nicht perfekt. Ja du machst Fehler. Na und? Das macht nichts. Das ist menschlich. Wie fühlt es sich an, wenn du nachsichtiger mit dir umgehst? Wenn du sagst: Ja, das war nicht mein bester Moment, aber was Solls. Niemand ist perfekt. Ich bin liebenswert.
Du darfst dir verzeihen. Du bist gut genug.
5. Verabschiede dich von Perfektionismus
Perfekt sein ist unmenschlich.
Echt sein ist Selbstliebe.
Authentizität ist, was die Menschen lieben. Und authentisch ist nicht perfekt. Authentisch hat Fehler. Stolpert mal oder sagt oder tut mal etwas dummes – das ist normal. Und es ist okay, darüber hinweg zu sehen. Du musst nicht perfekt sein und alles richtig machen, um ein guter Mensch zu sein. Du musst nicht auf alles verzichten, du darfst Träume und Ziele und Wünsche und – JA – auch Ansprüche haben. Du darfst deinen Werten treu bleiben. Du darfst einen Standard für das setzten, was du in deinem Leben tolerierst. Und weder dein Körper, noch deine Persönlichkeit oder deine Wohnung müssen perfekt sein, um liebenswert zu sein.
Dein Wert steht außer Frage.
6. Fühle deine Gefühle
Gefühle sind kein Fehler.
Sie sind Informationen.
Selbstliebe bedeutet, ihnen Raum zu geben.
Es heißt nicht immer glücklich zu sein. Es heißt ALLES zu fühlen. Es heißt okay damit zu sein, wenn du wütend bist. Wenn du traurig bist. Wenn du etwas unfair findest. Oder wenn du erschöpft bist. Selbstliebe ist eine Grundhaltung, kein Gefühl. Gefühle kommen und gehen. Sie fließen durch dich wie eine Welle. Selbstliebe bleibt, auch wenn dir das Gefühl gerade nicht gefällt.
7. Sei geduldig
Selbstliebe ist ein Weg – oft mit Rückschritten.
Das ist normal.
Jede kleine Entscheidung für dich ist ein Akt der Liebe.
Alles was ungewohnt ist, fühlt sich zunächst unsicher an. Dein Körper wehrt sich. Dein Geist versucht dich zurück zu halten. Erzählt dir Geschichten, sucht Gründe, warum du eben doch nicht liebenswert bist. Hör nicht darauf. Es ist okay immer wieder gegen an zu gehen. Und wenn du allein nicht dagegen ankommst, dein innerer Dialog zu negativ ist, zu festgefahren – such dir Unterstützung. Therapie, Coaching, Freunde, Familie – wer auch immer dir vertrauensvoll weiterhelfen kann. Wo auch immer du dich sicher fühlst. Wem auch immer du dich anvertrauen möchtest. Nutze die Gegenbewegung von außen. Nutze es neue Erfahrungen zu machen. Und von außen zu hören, was du dir selbst nicht sagen kannst. Denn es gibt Menschen, die dich lieben. Die dich schätzen. Die dich so mögen, wie du bist.
Selbstliebe verändert dein Leben
Wenn du beginnst, dich selbst zu lieben, passiert etwas Magisches:
- Beziehungen werden klarer
- du ziehst Menschen an, die dich respektieren
- du setzt andere Prioritäten
- du hörst auf, dich zu verbiegen
- du wirst freier
- du wirst authentischer
- du wirst mutiger
Selbstliebe ist nicht das Ziel.
Sie ist die Grundlage für alles andere: Glück, Erfolg, Wohlbefinden, wahre Verbundenheit. Doch sie entsteht nicht über Nacht. Lass dich nicht täuschen von den Berichten der Erweckungserlebnisse. Storytelling ist etwas anderes, als die Story wirklich zu erleben. Selbstliebe will genährt werden. Sie ist eine tägliche Entscheidung. Immer wieder. So kann sie sich verinnerlichen.
Selbstliebe beginnt, wenn du aufhörst, dich selbst zu bekämpfen. Und sie wächst, wenn du beginnst, dich selbst zu halten.

