Der Confirmation Bias – warum wir lieber „recht haben“ als unsere Träume zu leben

Hast du schon einmal gemerkt, dass du besonders auf Dinge achtest, die deine Meinung bestätigen – und alles andere eher ausblendest? Nein? Das ist nicht verwunderlich.. Denn wir sehen eben nicht, was wir nicht sehen.

Das Phänomen, das wir nicht sehen, was wir nicht glauben, nennt sich Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) und beeinflusst jeden von uns – täglich, unbewusst und manchmal sehr machtvoll. In Beziehungen, im Alltag, im Beruf und sogar in unserer inneren Entwicklung spielt er eine riesige Rolle.

Was ist der Confirmation Bias?

Der Confirmation Bias ist die Tendenz unseres Gehirns, Informationen zu bevorzugen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen – und widersprüchliche Informationen abzuwerten, zu ignorieren oder falsch zu interpretieren. Wir blenden also aus, was wir nicht glauben/ nicht kennen.

Kurz gesagt:
Wir sehen, was wir glauben. Nicht unbedingt das, was wahr ist.

Es ist ein Filter, der aus unendlich vielen Eindrücken die Teile herauspickt, die zu unserer inneren Welt passen.

Warum haben wir den Confirmation Bias?

Aus evolutionsbiologischer Sicht hat er uns geschützt:

  • Das Gehirn spart Energie, indem es Muster wiederverwendet.
  • Entscheidungen werden schneller, wenn sie nicht ständig neu überprüft werden müssen.
  • Vorhersagbarkeit macht uns sicherer.

Heute kann dieser Filter uns oft blockieren, einschränken oder in dysfunktionale Muster festhalten.

Wie funktioniert der Confirmation Bias im Alltag?

1. Beziehungen

Wenn du glaubst:

  • „Er hört mir nie richtig zu“,
    dann wirst du automatisch immer die Situationen bemerken, in denen er abgelenkt ist – und die Momente übersehen, in denen er präsent ist.

2. Selbstbild

Wenn du denkst:

  • „Ich bin nicht gut genug“,
    wird dein Gehirn Beweise für „Versagen“ oder Kritik schneller speichern und Situationen herausfiltern, in denen du einen Fehler gemacht hast + eher Fehler machen, da der Stress und der Druck sich konstant beweisen zu müssen dafür sorgen, das du dich schlechter konzentrieren kannst, du vergesslicher bist, schlechter schläfst und dich schneller überforderst..

3. Gesundheit

Wer glaubt, „Ich bin einfach faul/ nicht sportlich/ zu dick“, wird sich eher angemessen verhalten und z.B. nicht zum Sport gehen, sich weniger bewegen, ungesünder essen, als jemand der glaubt, „Ich bin sportlich.“.

4. Arbeit

Wenn du davon überzeugt bist, eine Aufgabe sei „zu schwer“ oder „Ich verdiene nicht mehr.“ oder „Ich bin verantwortungslos.“ findest du Gründe, warum das stimmt. Und du wirst nicht über die Gehaltserhöhung, die Beförderung oder den Jobwechsel nachdenken. Auch wenn du unzufrieden bist. Du wirst immer wieder Gründe dafür finden zu bleiben, warum es doch nicht so schlimm ist. (Hier kann auch dein Selbstwert oder die Selbstwirksamkeit mit reinspielen.)

5. Manifestation

Der Confirmation Bias ist der engste „Partner“ des retikulären Aktivierungssystems (RAS) und beeinflusst, welche Chancen du erkennst. Und nutzt.

Der Confirmation Bias und Glaubenssätze

Glaubenssätze sind die Software, der Confirmation Bias ist der Algorithmus, der dafür sorgt, dass dein inneres Weltbild stabil bleibt.

Beispiele:

  • Glaubenssatz: „Ich bin nicht liebenswert.“
    → du erkennst schneller Ablehnung als Zuneigung.
  • Glaubenssatz: „Menschen sind unzuverlässig.“
    → jede abgesagte Verabredung wird zum „Beweis“.
  • Glaubenssatz: „Ich kann alles schaffen.“
    → dein Gehirn scannt nach Lösungen, Ressourcen und Chancen.

Der Confirmation Bias macht Glaubenssätze selbstbestätigend.

Der Einfluss des Nervensystems

Dein Nervensystem entscheidet, welche Informationen du überhaupt wahrnehmen kannst.

  • Im Stress suchst du unbewusst nach Gefahr und Problemen.
  • In Regulation erkennst du Lösungen, Ressourcen und Verbundenheit.

Das heißt:
Stress verstärkt negative Biases. Regulation verstärkt Offenheit und Klarheit. Deswegen ist Nervensystemregulation so ein großes und wichtiges Thema. Deswegen kann die Arbeit mit dem Atem dein Leben verändern. Deswegen ist die körperbasierte Arbeit so kraftvoll.

Wie du den Confirmation Bias erkennst und transformierst

1. Achte auf deine „Beweis-Sätze“

  • „Immer passiert mir sowas.“
  • „Typisch, dass …“
  • „Ich wusste, dass das so kommt.“

Diese Sätze zeigen, dass dein Gehirn gerade seine vorprogrammierte Schleife abspult.

2. Frage dich:

„Welche Informationen übersehe ich gerade?“

Diese einfache Frage öffnet sofort die Wahrnehmung.

3. Sammle Gegenbeweise

Das ist kein spirituelles Ritual – sondern Neurowissenschaft:

Du trainierst dein Gehirn, neue Muster zu erkennen.

Beispiel:
Wenn du glaubst, „Ich bin schlecht im Umgang mit Geld“,
dann schreibe jeden Tag eine Sache auf, die das Gegenteil zeigt.

4. Nutze Future-Self-Techniken

Frage:

  • Welcher Beweis wäre meinem zukünftigen Ich wichtig?
  • Woran würde es Chancen erkennen?

Das verschiebt die Wahrnehmung.

5. Nervensystem regulieren

Regulation = neue Möglichkeiten erkennen.
Dysregulation = alte Muster wiederholen.

Atemübungen, somatische Arbeit & deep dive Breathwork helfen, den Bias zu „entkoppeln“.

6. Reflektiere regelmäßig

Eine einfache, aber extrem wirksame Frage:

„Welche Geschichte erzähle ich mir gerade – und dient sie mir wirklich?“

Fazit

Der Confirmation Bias ist kein Fehler – er ist ein Schutzmechanismus deines Gehirns.
Aber wenn wir unbewusst durch ihn leben, kann er:

  • unsere Beziehungen trüben
  • unser Selbstbild verzerren
  • Chancen unsichtbar machen
  • Wachstum blockieren
  • alte Muster stabilisieren

Wenn wir ihn aber bewusst nutzen, kann er zu einem der größten Hebel werden für:

✔ persönliches Wachstum
✔ mentales Wohlbefinden
✔ Transformation alter Muster
✔ bessere Entscheidungen
✔ Manifestation
✔ Zielerreichung

Du kannst ihn nicht abstellen – aber du kannst ihn neu programmieren.