Das Retikuläre Aktivierungssystem – wie dein Gehirn entscheidet, was wichtig ist (und was nicht)

Kennst du das: du möchtest ein neues Auto haben und auf einmal siehst du dieses Auto überall? Das ist kein Zufall.
Es ist dein retikuläres Aktivierungssystem, kurz RAS, das im Hintergrund deines Gehirns mitarbeitet.

Das RAS ist einer der unterschätztesten, aber mächtigsten Mechanismen unseres Gehirns. Es beeinflusst jede Wahrnehmung, jede Entscheidung und sogar unsere Fähigkeit, Ziele zu erreichen. In Coaching, Psychologie und Manifestationsarbeit spielt es eine zentrale Rolle – ohne dass viele wissen, dass sie es nutzen.

Was ist das retikuläre Aktivierungssystem?

Das RAS ist ein Netzwerk von Nervenzellen im Hirnstamm, das wie ein Filter arbeitet.
Es entscheidet, welche Informationen dein Gehirn verarbeitet – und welche es ignoriert.

Das ist notwendig, denn du wirst täglich mit bis zu 11 Millionen Reizen konfrontiert, von denen dein Bewusstsein nur wenige Hundert wahrnehmen kann.

Das RAS sortiert alles in zwei Kategorien:

Relevant
Unwichtig

Was es für „relevant“ hält, hängt stark ab von:

  • deinen Überzeugungen
  • deinen Ängsten
  • deinen Erfahrungen
  • deinen Zielen
  • deinen Erwartungen

Das bedeutet:
Dein RAS zeigt dir nicht die Realität – es zeigt dir DEINE Realität.

Wie das RAS deine Wahrnehmung beeinflusst

Das RAS ist wie ein persönlicher Algorithmus.
Es zeigt dir mehr von dem, was du innerlich für wichtig hältst.

Beispiele aus dem Alltag:

  • Du denkst darüber nach, schwanger zu werden? … plötzlich siehst du überall Babybäuche.
  • Du hältst dich für „nicht gut genug“? … dein RAS bemerkt verstärkt Kritik, Fehlermöglichkeiten oder Risiken.
  • Du setzt dir ein klares Ziel? … dein RAS beginnt, Chancen und Ressourcen zu erkennen, die vorher unsichtbar waren.

Es ist kein esoterischer Prozess, sondern neurobiologisch erklärbar.

Das RAS und Glaubenssätze

Noch wichtiger:
Das RAS richtet deine Wahrnehmung an deinem inneren Weltbild aus.

Wenn du glaubst:

  • „Ich bin schlecht mit Geld“
    → bemerkt dein Gehirn nicht nur Beweise dafür. Du schaffst sie auch.

Wenn du glaubst:

  • „Ich bin ein Mensch, der Lösungen findet“
    → erkennt dein Gehirn Möglichkeiten, Notausgänge, Ideen.

Deine Glaubenssätze programmieren deinen Wahrnehmungsfilter.

Das RAS und dein Nervensystem

Das RAS ist eng mit dem Nervensystem verbunden:

  • Bist du im Stress (Fight/Flight)?
    → filtert es verstärkt Gefahren, Probleme und potenzielle Bedrohungen.
  • Bist du reguliert?
    → filtert es Offenheit, Chancen, Kreativität, soziale Signale.

Deshalb ist innere Regulation eine Voraussetzung für Veränderungen. Und deswegen ist die Arbeit mit dem eigenen Atem so kraftvoll. Dein Atem wirkt direkt auf dein Nervensystem, da sie Teil des Autonomen Nervensystems ist. Wenn du das verstehst und weißt, wie du regulieren kannst, kannst du bewusst dein RAS und somit dein ganzes Leben beeinflussen.

Warum das RAS für Manifestation entscheidend ist

Manifestation wird oft missverstanden als „Wünschen ans Universum“.
In Wahrheit basiert sie zu großen Teilen auf:

🧠 Neuroplastizität
🧠 Aufmerksamkeitslenkung (RAS)
🧠 emotionaler Signatur/ die Frequenz deines Fühlens
🧠 deinem confirmation bias
🧠 identitätsbasiertem Verhalten

Das RAS sorgt dafür, dass du Möglichkeiten erkennst, Entscheidungen triffst und mutige Schritte setzt – weil dein innerer Fokus darauf ausgerichtet ist.

Das, was du innerlich wählst, wirst du äußerlich wahrnehmen. Was du wahrnimmst, beeinflusst deine Entscheidungen. Was du entscheidest, formt dein Leben.

Wie du dein RAS trainieren kannst

Hier kommen wissenschaftlich fundierte, einfach umsetzbare Tools:

1. Klare Zielsetzung

Dein RAS braucht klare Signale.
Je präziser ein Ziel ist, desto stärker fokussiert es. Doch es darf sich nicht unrealistisch anfühlen. Dein Ziel sollte klar formuliert und mit einem Gefühl verbunden sein. Es sollte sich machbar anfühlen und der Weg dahin sollte einigermaßen klar sein. Hier hilft es ein Coaching bei jemandem zu buchen, der/die dein Ziel bereits erreicht hat.

Übung:
Schreibe dein Ziel in einem Satz auf:
„Ich werde bis … X erreichen, weil …“

2. Visualisierung

Regelmäßige mentale Bilder aktivieren die gleichen neuronalen Netzwerke wie reale Erfahrungen.
Das RAS bewertet das als „wichtig“.

Das ist der Grundsatz: what fires together, wires together. Also das was miteinander zur gleichen Zeit feuert, die Neuronen, die gleichzeitig aufflammen, verbindet sich. Mit der Zeit/ der Häufigkeit werden diese Verbindungen gefestigt. Sie werden zu neuroyalen Autobahnen. Deswegen ist es so schwer gefestigte gedankliche Pfade zu verlassen und sich auf neue, umbetretene einzulassen.

2 Minuten täglich reichen.

3. Positive Erwartung

Nicht toxisch-positiv – sondern realistisch optimistisch.
Erwartung öffnet den Filter für Möglichkeiten.

Wenn du sagst: „Na jetzt gucken wir doch mal, pb da wirklich geht.“ – deutet das darauf hin, das du in Wahrheit nicht daran glaubst und dir diesen Glauben bestätigen willst (confirmation bias).

Wenn du sagst: „Das habe ich noch nie gemacht, deswegen glaube ich das ich es schaffe.“ (Pipi Langstrump Zitat) ist deine Grundhaltung optimistisch. Natürlich kannst du nicht einfach so tun, als würdest du daran glauben. Es muss schon echt sein. Wenn dir deine negativen Erfahrungen und Glaubenssätze im Wege stehen, ist es sinnvoll diese erst einmal genauer zu betrachten und sich damit auseinander zu setzen. Denn solange sie da sind, wirst du sie dir bestätigen (confirmation bias).

4. Affirmationen (richtig angewendet)

Affirmationen wirken nicht wegen der Worte, sondern weil sie:

  1. das RAS neu ausrichten
  2. die Identität beeinflussen
  3. emotionale Muster verändern

Wichtig: nur Affirmationen verwenden, die dein Nervensystem tolerieren kann.

Wenn Affirmationen zu herausfordernd für dich sind, verwende Affirmationen. Also statt: Ich schaffe das. – Was, wenn ich es schaffen würde.

5. Journaling

Journaling richtet die Aufmerksamkeit neu aus und trainiert das RAS wie eine Art mentale Google-Suche. Es stärkt das Bewusstsein und lässt dich den Tag, deine Entscheidungen und deine Gedanken reflektieren. So bemerkst du schneller, wo noch Blockaden sind und kannst besser reflektieren, wie du bestimmte Situationen auch anders sehen könntest.

Frage:
Welche drei Dinge haben heute gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin?

6. Dankbarkeit

Dankbarkeit verschiebt den Fokus neurologisch nachweisbar hin zu Ressourcen. Nutze ein Dankbarkeitstagebuch als kleines Ritual und schreibe dir abends auf, wofür du dankbar bist. Selbstverständlich gibt es hierfür auch Apps, die dich daran erinnern können. 🙂 UND es gibt Dankbarkeitsblocks extra für Kinder – wenn du die Übung mit deinem Kind zusammen machen möchtest. 🙂

Das RAS merkt sich: „Das ist wichtig.“

Zusammenfassung

Das retikuläre Aktivierungssystem ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, wie du die Welt wahrnimmst und wie du dich in ihr bewegst.
Es beeinflusst:

✔ deine Wahrnehmung
✔ deine Entscheidungen
✔ deine Emotionen
✔ deine Ziele
✔ deine Fähigkeit zu wachsen
✔ deine Manifestationskraft

Du kannst es bewusst trainieren – und damit die Art, wie du dein Leben erlebst, nachhaltig verändern.